Castingshows - Riskante Botschaften an die Jugend

 •  Neuesten Studie im Forschungsgebiet: TV-Castingsshows

Das Ergebnis zeigt eine auf den ersten Blick positive Anregung der Shows zu Leistungsbereitschaft. Bei näherer Betrachtung ergeben sich für die jugendlichen Zuseher Botschaften unreflektierten Konkurrenz- und Gehorsamsverhalten.


Außergewöhnlich an der Studie ist auch die Methodik. Über ein ganzes Schuljahr arbeitete Christine Wijnen mit 17- bis 18-jährigen Schülerinnen und Schülern der Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe in Ried am Wolfgangsee zusammen. Gemeinsam erstellten sie Forschungsprojekt, Forschungsfragen, die Leitfadenkonstruktion und führten die die Interpretation der Ergebnisse unter Einbeziehung von Gruppendiskussion mit gleichaltrigen Jugendlichen durch.

Christine Wijnen: „Jugendliche erforschen sich praktisch selbst und schnuppern dadurch früh wissenschaftliche Luft.“


Forschungsprojekt „Model-Castingshows im Alltag von Jugendlichen“

Vor dem Hintergrund der großen Beliebtheit, die Musik/Musical- und Model-Castingshows unter Jugendlichen genießen, stellt die Studie die Frage, welche Rolle diese im (Medien-)Alltag Heranwachsender spielen. Vor allem Model-Castingshows, bei denen die Inszenierung von Körperlichkeit, Schönheitsidealen, Körperbeherrschung und Selbstdisziplin besonders im Vordergrund steht, erschienen im Hinblick auf Jugendliche besonders interessant, da sich diese in einer Lebensphase befinden, in der die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper, mit Frauen- und Männerbildern sowie die Identitätsfindung und die Frage danach wer bzw. wie man einmal sein möchte, von großer Bedeutung sind. Untersucht wurde wie Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren die deutschsprachigen Model-Castingshows Germany’s Next Topmodel (Pro7) und Austria’s Next Topmodel (plus4) in ihren Alltag integrieren.

Detailergebnisse:


Sowohl Mädchen als auch Jungen sehen regelmäßig Model-Castingshows. Männlichen Jugendlichen ist es aber oft peinlich, dies zuzugeben. Dennoch zeigt sich auch bei männlichen Jugendlichen zuweilen ein hohes Involvement. Jungen beeindruckt zumeist der Ehrgeiz, das Durchhaltevermögen und das konsequente Training der Kandidatinnen. Mädchen setzen sich eher als Jungen kritisch mit dem Format Model-Castingshow auseinander. Allen befragten Jugendlichen ist es wichtig, über die aktuellen Geschehnisse in Model-Castingshows Bescheid zu wissen, um in Gleichaltrigengruppen mitreden zu können. Die Kandidatinnen werden in der Regel positiv beurteilt. Alle befragten Jugendlichen sind sich einig, dass die Kandidatinnen die Erwartungen der Jury erfüllen müssen und nicht dagegen aufbegehren dürfen, um erfolgreich zu sein.

Die befragten Jugendlichen stellen Bezüge zwischen dem Modelverhalten und ihrem eigenen Lebensalltag her. In Hinblick auf Schule und auf berufliche Zukunft betonen viele der befragten Jugendlichen die Notwendigkeit, sich in ständiger Konkurrenz zu anderen beweisen zu müssen. Besonders deutlich wird die Wirkung der ausgeprägten Konkurrenzformel bei jungen Menschen mit einem Lebensumfeld, das von Migration, Jugendarbeitslosigkeit und schlechteren Zukunftschancen geprägt ist. Vor allem das immer wiederholte und zelebrierte Zitat, hart an sich zu arbeiten, scheint diesen jungen Menschen der Schlüssel zum Erfolg zu sein. Des Weiteren zeigt die Studie, dass den Jugendlichen weniger ihre Individualität sondern eine perfekte Anpassung an die Vorgaben der Jury bzw. im übertragenen Sinne an die Vorgaben der Gesellschaft zählt. Sie finden es auch legitim, heftig dafür kritisiert zu werden, wenn man diesen Anforderungen nicht entspricht. Die Inszenierung der Figur Heidi Klum als Powerfrau mit eiserner Disziplin fasziniert die Jugendlichen in besonderem Maße.



Christine Wijnen zu den Ergebnissen der Studie:

„Das zentrale Ergebnis der Studie ist weniger ein bedenklicher Schönheitskult, der diesen Shows oft angelastet wird. Vielmehr ist es die Botschaft: Du erreichst alles, wenn Du willst und wenn Du hart genug an Dir arbeitest. Bei Jugendlichen können solche eindimensionalen Aussagen zu erhöhten Selbstzweifeln und in Folge dessen auch zu Burnoutrisiken führen“.

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Dr. Christine Wijnen hat an der Universität Salzburg über international vergleichende Medienpädagogik promoviert. Sie ist Universitätsassistentin (Post Doc.) an der Universität Wien, Lektorin an der Universität Salzburg und leitet den Bereich Media Research des IMB. Sie hat mehrere medienwissenschaftliche Studien und Bücher verfasst. Christine Wijnen stammt aus Gastein

Dieses Forschungsprojekt wurde gemeinsam mit den SchülerInnen
der 2. ALG-Klasse (2009/10) der HLW Ried am Wolfgangsee durchgeführt:

Matthias Angerler, Isabell Egger, Cornelia Fuchsberger, Nina Gantschnigg, Bernhard Gruber, Maria Meindl, Lisa Nistelberger, Miriam Rieger, Sandra Sandbichler, Magdalena Scheibl, Maria Spicker, Elisa Sternbauer, Caroline Stockhammer und Johanna Weiss
Klassenvorstand: Sven Bichl

Wissenschaftliche Mitarbeit: Julia Fraunberger

Dieses Projekt wurde gefördert durch das Zentrum für Zukunftsforschung der Fachhochschule Salzburg, das Institut für Medienbildung sowie das Raiffeisen Schulsponsoring.


Institut für Medienbildung

Das 2011 aus der Aktion Film heraus entstandene neue Institut für Medienbildung ist in sieben Bereiche gegliedert. Die Aktion Film blieb als Instrument des Filmemachens erhalten, daneben entstanden medienpädagogische Abteilungen wie edu-media, i-media oder Medien und Gesellschaft. Zusätzlich gibt es noch einen Forschungsbereich und die Ausbildungsschiene Karriere Plus, bei der in Kooperation mit der Donauuniversität Krems für Pädagogen Medienkompetenz für Schule, Unterricht und Weiterbildung als Universitätslehrgang angeboten wird. Außerdem wird weiterhin ein Verleihservice von audiovisuellen Geräten zu günstigen Preisen angeboten.


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